Flensburger Tageblatt | 31.08.2004 / jos
Flensburg (jos) - Dem unübersehbaren Banner am Deutschen Haus, rotem Teppich und Festreden von Staatssekretär Dr. Hellmut Körner oder Bürgermeister Helmut Trost entsprach ein Gala-reifer Trailer. Von dem ließen sich bei den 5. Flensburger Kurzfilmtagen im fast immer ausverkauften Kino 51 Stufen an vier Tagen rund 1000 Zuschauer in ehrfurchtsvolle Stimmung versetzen. Bei goldenen Segeln, einem Rückblick auf die ersten vier Jahre und Symphonieorchesterklängen wartete so mancher auf Showtreppe oder Laudatoren, die zum Teleprompter lugen. Stattdessen moderierte TV-Gesicht Peter Dirmeier locker durch die je vier Wettbewerbsblöcke und Sonderprogramme. Wichtig war Festivalbegründer Torsten Wiesel die Möglichkeit, zusammenzukommen und sich auszutauschen. Und das haben er und sein elf-köpfiges Team auch ohne Glamour geschafft. Die Flensburger Kurzfilmtage seien zwar ein junges Festival, und im nationalen Vergleich vielleicht noch keines der bedeutendsten, aber von der Betreuung und der "familiären Atmosphäre" waren die zwölf Regisseure begeistert, die sich im Anschluss an ihre Filme tapfer den Publikumsfragen stellten. Sonst wären sie wohl kaum noch Freitagnacht nach improvisierter Fete im JAW in die Förde gesprungen.
Zur Preisverleihung am Sonnabend waren jedoch Publikum wie Filmer wieder fit. Gewinner des Abends war Stephan Müller. Mit "Fliegenpflicht für Quadratköpfe" räumte der Berliner den Publikums- und den 1. Preis ab (wir berichteten). Leicht ist die Entscheidung der Jury aber keineswegs gefallen. Die 34 Kurzfilme waren so unterschiedlich wie überzeugend, jeder auf seine Art. Ob nun Jan Schomburgs Film mit dem Palindrom-Titel "Nie solo sein", der gleichzeitig vorwärts und rückwärts läuft und eigentlich für Toleranz in Beziehungen plädiert oder etwa "Tödliche Roman(z)e" von Gerald Grote, "einem Animationsfilm ohne Animation", in dem Bücher die Hauptrolle spielen - jeder Film hatte seine eigene Erzählweise.
Außer Konkurrenz liefen Beiträge aus Tschechien und Dänemark und das nicht ganz so gut besuchte Kinderprogramm. Am besten gefallen hat den Kurzen aber einstimmig "Marco und der Wolf", trotz oder gerade wegen des Grusel-Potentials. Für ein "Kino der Attraktionen" sorgte der Berliner Musiker Steven Garling, der mit seinen "Schlagwerken" 21 Stummfilme ganz neu interpretierte.
Flensburger Tageblatt | 30.08.2004 / jos
Flensburg (jos) - Die fünften Kurzfilmtage werden von den Veranstaltern als Erfolg verbucht. Bis auf die Kindervorstellungen waren alle Filmblöcke ausverkauft. Rund 1000 Zuschauer waren ins Kino "51 Stufen" gekommen.
Die Jury wurde um ihre Aufgabe, aus 34 Kurzfilmen 4 Gewinner zu bestimmen, wahrlich nicht beneidet. Und Kulturjournalist Sönke Lundt sowie die Filmemacher Frieder Schlaich und Till Franzen machten sich die Sache auch nicht leicht. Zehn Filme seien sofort in die engere Wahl gekommen, und dann wurde diskutiert. Nicht nur der 1. Flensburger Kurzfilmpreis, sondern auch der Publikumspreis gingen an "Fliegenpflicht für Quadratköpfe" von Stephan Müller aus Berlin. 11 Minuten voller verblüffender Sichtweisen auf die alltäglichen Zeichen unserer Zeit wie Verkehrsschilder oder Plakatwände überzeugten mit originellem Witz sämtliche Zuschauer. Der 2. Preis ging an Corinna Schnitts "Living a beautiful Life". Der Film "Blind" von Saskia Jell wurde für hervorragende Kameraarbeit ausgezeichnet.
Wegen des eindrucksvollen Spiels der 22-jährigen Hauptdarstellerin Noa Lucas vergab die Jury spontan einen Darstellerpreis. Den Nachwuchspreis erhielt Marc Witkowski für seine Dokumentation "Sisco".