Presseartikel 2003
Kurzfilm-Festival: Preise für "Nassrasur" und Co.
Flensburger Tageblatt | 25.08.2003 / jot
Flensburg - Zum Festival-Liebling avancierte der Düsseldorfer Filmstudent Boris Schaarschmidt. Sein Film "Nassrasur" - über einen kriminellen Friseur und sein geheimes Doppelleben - wurde vom Publikum zum besten Film des Festivals gewählt. Der Preis: 500 Euro und eine Magnum-Flasche Flensburger Bier. Gleichzeitig wurde der Film von der offiziellen Wettbewerbsjury zum zweitbesten Film gekürt. "Eine völlige Überraschung für mich", sagte der 31jährige, der an der Fachhochschule Duisburg studiert und dort an einer Karriere als Spielfilm-Regisseur arbeitet.
In Flensburg wurden Schaarschmidt und "Nassrasur" vom Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert. Für den zehnminütigen Schwarzweiß-Film hatte er ein Budget von gerademal 4000 Euro. "Das war ein Krimi, für den andere Regisseure eine ganze Stunde gebraucht hätten", lobte Jury-Mitglied Peter Zingle die hochkomprimierte erzählweise Schaarschmidts.
Zum besten Film wählten Zingler und seine Mit-Juroren Nina Bohlmann und Leopold Hoesch den Film "Dark Ages" von Daniel Acht und Ali Eckert, einen perfekt gedrehten Actionfilm im Ritter-Milieu des König Artus und zugleich bissige Satire auf Bürokratie-Verliebtheit in der Europäischen Union. "Die Entscheidung war absolut einstimmig", sagt Juror Hoesch. Es sei eine intuitive Entscheidung gewesen, der Film starte wie ein Erdbeben und steigere sich dann sogar noch. Es stecke große Wahrheit in dem Film. Die beiden Regisseure waren nicht anwesend. Stellvertretend nahm Festivalgründer Karsten Wiesel den Preis entgegen: Dienstleistungen und Leihequipment für 2000 Euro.
Der Nachwuchspreis - die Lizenz für ein Filmschneide-Programm - ging an "A-lien B-lien", eine viereinhalbminütige Science Fiction Parodie von Jörg Daiber, mit grünen Männchen, die im Dreiviertel-Takt durch den Weltraum tanzen und erfolglos auf der Suche nach intelligentem Leben auf der Erde sind.
Die Jury wirkte mehr fröhlich als gequält, obwohl sie sich nicht nur 35 Wettbewerbsfilme im Kino ansehen musste, sondern sich freiwillig noch einige Wiederholungen auf dem Videoschirm betrachtete. "Wir hätten ohne weiteres 34 Filme mit Prämien auszeichnen können", erklärte Juror Peter Zingler. Welchen Film er nicht auszeichnen wollte, erklärte er nicht. Lobend erwähnt, aber nicht ausgezeichnet wurden die Filme "Lock Picking", "Randgruppe" und "Opus". Was prämierte Filme gegenüber nicht-prämierten auszeichne, erklärte Zingler gegen Ende der Preisverleihung: "Alle prämierten Filme haben einen kurzen Abspann".
Gründer und Chef-Organisator Karsten Wiesel kündigte unterdessen schon mal das Festival fürs nächste Jahr an. "Wir machen weiter", sagte er. Es sei ein schönes Ergebnis, dass das jetzige Festival immer "gut besucht bis ausverkauft" gewesen sei.
Filmleute glänzten mit scharfen Pointen
Flensburger Tageblatt | 23.08.2003 / Jörg Tautenhahn
Flensburg - Die vierten Flensburger Kurzfilmtage lockten am Donnerstag und Freitag mehrere Hundert Cineasten ins Deutsche Haus. Der Kinosaal des "51 Stufen" war gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen. Heute abend
- ab 22 Uhr - werden die besten von insgesamt 37 Filmen im Wettbewerb mit Preisen ausgezeichnet.
Die Wettbewerbsjury besteht aus den beiden Produzenten Leopold Hoesch und Nina Bohlmann und dem Flensburger Krimi-Stadtschreiber Peter Zingler. Die drei gaben auf Nachfrage Einblick in ihre Jury-Arbeit. "Der letzte Kurzfilm, den ich gesehen habe, wollte gar nicht aufhören", zürnte Zingler über einen österreichisch-luxemburgischen 14-Minuten-Film. Hoesch gibt zu, sich schon oft über Kurzfilme geärgert zu haben und trat vehement für das elfte Gebot für Regisseure ein: "Du sollst nicht langweilen". Tipps für Jungfilmer gaben die beiden auch. "Bringen Sie uns Ihre Drehbücher", riet Bohlmann. "Lieber nicht", riet Hoesch.
In diesem Sinne diskutierten die drei Jurymitglieder auch in großer Runde mit Fachkollegen über "Selbstverwirklichung und Militarismus beim Film - eine Berufswelt und ihre Tücken". Von denen berichtete vor allem Zingler, der nicht nur Krimis schreibt, sondern auch Drehbücher. Für ein Drehbuch bekam er einst einen Grimme-Preis, und auch als Regisseur sammelte er Erfahrungen: Mario Adorf sei ihm beim Dreh vom Stuhl gekippt und der Kameramann habe ihn erpresst und auch sonst habe er nur Ärger gehabt. "Das würde ich nur noch mit Ritterrüstung und einem dicken Knüppel in der Hand nochmal machen", sagt Zingler, ansonsten bleibe er lieber beim Schreiben.
Der Regisseur sei übrigens "der natürliche Feind des Autors", sagte Zingler noch. Das gelte natürlich nicht für Autoren, die ihre Filme selber machen - wie einst Faßbinder. "Faßbinder hat 100 Filme gedreht, davon waren 50 Sch....", unterrichtete er die Fachwelt.
Über seinen Eindruck vom Festival referierte Moderator Jan Henne de Deijn, Geschäftsführer der Hamburger Media School. "Beeindruckende Abspänne", so sein Urteil. Für Kurzfilme gilt allemal sinngemäß das, was Helge Schneider in Oliver Stephans Kurzfilm "Der Rabe" über deutsche Dichtung sagt: "Das war zwar Rilke, aber dafür kurz."
Lange Kino-Abende mit kurzen Meisterwerken
Flensburger Tageblatt | 20.08.2003 / pop
Flensburg - Morgen beginnen im Kino "51 Stufen" im Deutschen Haus die vierten Flensburger Kurzfilmtage. Im Mittelpunkt steht ein Wettbewerb, an dem 35 Filme aus dem deutschsprachigen Raum zwischen 2 und 30 Minuten teilnehmen. Die Filme werden in vier Themenblöcken gezeigt: "Welt als Film" (Donnerstag, 18 Uhr), "Ein kleines bisschen Liebe" (Donnerstag, 22 Uhr), "Wie im Krimi" (Freitag, 18 Uhr) und "Zur Lage der Nation" (Sonnabend, 18 Uhr). Die Preisverleihung ist am Sonnabend um 22 Uhr; 17 Filmemacher haben ihr Kommen zugesagt.
Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr der Themenkomplex Kurzfilme und Schule. Es gibt vier Schulvorstellungen: Donnerstag und Freitag jeweils um 8.15 und 10 Uhr (Reservierungen: Tel. 0179/5305362). Aus Sicht von Karsten Wiesel, Programm-Verantwortlicher des Festivals, sind Kurzfilme besonders geeignet, das Medium Film kritisch zu beleuchten. Am Montag hat es eine gut besuchte Fortbildung für Lehrer gegeben. Für nächsten Montag ist ein medienpädagogisches Treffen geplant.
Weitere Teile der Kurzfilmtage sind zwei Dänemark-Blöcke. Am Donnerstag um 20 Uhr wird eine aktuelle Auswahl dänischer Kurzfilme gezeigt. Die Videowerkstatt Hadersleben präsentiert am Freitag um 22 Uhr neue Filme. Ein Panorama des europäischen Kurzfilms mit geförderten Filmen aus sechs Ländern wird am Freitag um 20 Uhr gezeigt.
Ein besonderer Leckerbissen ist der Programmpunkt "Found Footage" am Sonnabend um 20 Uhr. Unter diesem Stichwort werden "gesampelte" Filme verstanden, die aus "Schnipseln" anderer Filme montiert werden. "Diese Form der Filmkunst hat ihren eigenen Fan-Kreis", weiß Karsten Wiesel. Die Auswahl besorgte der Berliner Filmwissenschaftler Hajo Schäfer. Die Kindervorstellung am Sonnabend um 14 Uhr für Kinder ab 8 wird von Peter G. Dirmeier präsentiert, bekannt als "Spiele Joe" in "Tabaluga TV".
Das Umfeld der Filmbranche in Hamburg und Schleswig-Holstein ist Thema des "Forum Kurzfilm" am Freitag um 11 Uhr, zu dem eine Reihe von Filmleuten erwartet wird. Die Kurzfilmtage enden mit einer Swing-Jazz-Party im Blauen Saal des Deutschen Hauses, die direkt nach der Preisverleihung beginnt.
Drei große Tage für die Fans der kurzen Streifen
Flensburger Tageblatt | 23.7.2003 / pop
Flensburg (pop) - Die Flensburger Kurzfilmtage gehen in ihr viertes Jahr. Vom 21. bis 23. August werden im Kino 51 Stufen im Deutschen Haus bis zu 50 Filme zwischen 3 und 20 Minuten gezeigt, die am Wettbewerb teilnehmen. Daneben gibt es thematische Schwerpunkte außerhalb des Wettbewerbs.
Während im Premierenjahr 350 Besucher das Angebot wahrnahmen, gab es 2002 den bisherigen Besucherrekord mit 1300 Zuschauern. Diese Zahl soll im August möglichst überboten werden - und das mit einer neuen Crew. Denn Carsten Wiesel, Erfinder und wesentlicher Macher des Festivals, hat wegen eines Studiums Flensburg verlassen. Er steht zwar noch mit Rat, jedoch weniger mit Tat zur Verfügung.
Täter sind jetzt andere: Lars Diedrichsen, Betreiber des Kinos "51 Stufen", auf dessen Leinwand die Bilder projiziert werden, Thomas Dethleffsen, Geschäftsführer im Deutschen Haus, sowie Hans-Herbert Tölke vom Planungsbüro "Natur und Kultur", ein dem Deutschen Haus verbundener Kulturmensch mit guten Kontakten und ebensolchen organisatorischen Fähigkeiten.
- Zwei Dänemark-Programmblöcke
- Historisches Sonderprogramm (Found Footage): Filme, die aus Bestandteilen von Filmklassikern zusammen geschnitten wurden
- Europa-Panorama
- Wettbewerb
Drei Preise werden vergeben: der Publikumspreis der Flensburger Brauerei (500 Euro), ein Preis für hervorragende Kameraarbeit von Kodak und Cinegate (Film und Equipment, 1000 Euro) und ein Hauptpreis (Geld und Sachleistungen, 1500 Euro).




