Presseartikel 2001

"Über 500 Besucher bei den Kurzfilmtagen"

Flensburger Tageblatt | 26.09.2001 /sin

Ein Mann schlägt seinen Kopf gegen eine Schrankwand. Wieder und wieder ertönt der dumpfe Schlag, bis sich auch der letzte Zuschauer mitleidend

die Schläfen reibt. Dann der Schrei einer Katze, das Schallen von Ohrfeigen, eine Kreissäge und auf einmal schmerzt der Kopf des Zuschauers nicht mehr, sondern setzt die einzelnen Videosequenzen zu einem Liedrhythmus zusammen.

Der Experimentierstreifen "Calma" war einer der Filme, der auf der abschließenden Preisverleihung der 2. Flensburger Kurzfilmtage ausgezeichnet wurde. Mal konzentriert, mal komisch, immer kurz präsentierten sich die rund 100 Werke, die vier Tage lang im Palast-Theater gezeigt wurden.

Eine Filmpreisvergabe unter 30 Bewerbern läutete am Sonntagnachmittag den Abschluss der mit mehr als 500 Filmfreunden gut besuchten Veranstaltung ein. Der Publikumspreis ging an die rasante Satire "Björn oder die Hürden der Behörden". Besonders freute sich Veranstalter Karsten Wiesel über die Möglichkeit, dem extra aus München angereisten Filmemacher Andi Niessner den Preis selbst überreichen zu können. Weitere Renner waren "Für dich, mein Herz" von Johannes von Gwinner, "Flatsch" von Thomas Oberlies und Helge Weichmann und "Ich muss gehen", in der Florian Mischa Boeder die Geschichte eines Aussteigers aus seiner Jugendbande nachzeichnet. Die eigentliche Trophäe jedoch, ein eigens angefertigter Flensburger Fischkopf wurde von der Jury an Nicolai Rohdes Film "Schlafmann" vergeben, in dem sich ein Mann auf seinem Weg zur Arbeit zurück in die Arme seiner Freundin wünscht. Vor allem die Verschmelzung von Realität und Traum und die überraschende Pointierung des Schlusses habe die drei Jurymitglieder von dem Schwarzweißfilm überzeugt, erläuterte Gabriele Schwark die Entscheidung. Lobend erwähnt wurden die Filme Calma von Alex Heim und "Das Mädchen, er und der Ort" von den Nachwuchstalenten Christine Goppel und Miriam Visaczki.

Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Programm mit einer großen Vielfalt an qualitativ hochwertigen Filmen zeigen konnten, zog Karsten Wiesel ein positives Fazit, den Flensburger Kurzfilmtagen ist es im zweiten Jahr gelungen, sich als eigenständiges kulturelles Event zu etablieren.

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"2. Flensburger Kurzfilmfilmfestival: Start mit Seemannsgarn im Kinosessel"

Flensburger Tageblatt | 22.09.2001 / rie/sch

Songs of the Sea - So richtig salzig und maritim sollte das Vorprogramm zur Eröffnung der 2. Flensburger Kurzfilmtage schmecken. Es sollte einerseits Bezug nehmen auf Seasong, einen der Kurzfilme und hätte andererseits auch wunderbar an die Hafenspitze gepasst.

Wegen Dauerregens wurde die Ouvertüre dann ins Palast-Theater verlegt. Und so musste ein reichlich verwirrtes Publikum regenbemäntelten Musikern beim Seemannsgarnspinnen zuhören. Was atmosphärisch leider daneben lag, saß man doch kuschelig und warm im Trockendock: Samtsessel, Plüschteppich, Heizungsluft. Trotzdem fanden viele Kurzfilmfreunde am Donnerstag den Weg in den roten Kinosaal. Das ausgewogene Programm enthielt neben skurrilen Filmexperimenten auch ein, zwei bekanntere Werke der Kurzfilmszene nämlich kleine Leckerbissen auf Zelluloid: Mit Ton, ohne Ton, mit Farbe, ohne Farbe, und nie länger als 30 Minuten. Das garantierte Abwechslung und Kurzweil.

Außer der Länge gibt es beim Kurzfilm nichts, was es nicht gibt, beschreibt Carsten Wiesel die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen die kurzen Geschichten spannend und originell umgesetzt werden können. Bei einem normalen Kinofilm sei diese Kreativität stark beschnitten. Eine weitere Besonderheit solcher Festivals sei außerdem die Atmosphäre, das gemeinsame Erleben und Diskutieren der Filme. Nicht nur darüber reden, sondern das Ergebniss des Wettbewerbs aktiv beeinflussen: Das können die Kinobesucher mit ihren Stimmkarten. Zwei der 30 nominierten Kurzfilme werden am Sonntag mit dem Flensburger Fischkopf und jeweils 1000 Mark Preisgeld ausgezeichnet. Dabei wird einer der Sieger durch das Publikum, der andere durch eine Jury gewählt. Neben dem Wettbewerbsprogramm laufen verschiedene Sonderprogramme, die den Kurzfilm in seiner ganzen Vielfalt, vom Kinderfilm bis hin zur Computeranimation, zeigen. Es hat uns super gefallen, war die einstimmige Meinung mehrerer Mädchen, die mit ihrer Schulklasse die fünf Kinderfilme zum Thema Fremde und Freunde gesehen hatten. Highlight war in ihren Augen der Film Lotte Primaballerina.

Noch zwei Tage lang wird der Kurzfilm in Flensburg zelebriert. Heute ab 14 Uhr: Kurzfilme für die Kurzen (Freunde und Fremde). Ab 18 Uhr: drei Filme des spanischen Filmpioniers Val Del Omar. 20.30 Uhr: Dritter Teil der Filme im Wettbewerb (Neues aus der Arbeitswelt). Sonntag 14 Uhr: Kinderfilme (Leben und Tod). 17 Uhr: Preisverleihung. Danach bewegt sich das Festival mit Filmen aus Dänemark und Computerfilmen seinem Ende entgegen.

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"Kunstfilme, Klassiker, Kinderkino"

Flensburger Tageblatt | 18.01.2001 / om

Nach gut besuchten Vorstellungen bei den 1. Flensburger Kurzfilmtagen soll die Veranstaltung in diesem Jahr wiederholt werden. Dabei stehen experimentelle Produktionen, Film-Klassiker und ein spezielles Vormittagsprogramm für Kinder auf dem Programm.

Humor, Poesie, Dramatik: Das alles können Filmemacher spontaner und freier in Kurzfilmen umsetzen. Davon ist Karsten Wiesel, von der Kunstwerkstatt Rote Laterne überzeugt. Deshalb will er im September zum zweiten Mal die "Flensburger Kurztilmtage" organisieren.
Die sechs Programmblöcke waren mit 450 Filminteressierten sehr gut besucht", hebt Wiesel hervor. Dabei waren im Kino 51 Stufen im Deutschen Haus 69 Streifen zu sehen, die von Oscar-prämierten Klassikern bis zu experimentellen Produktionen reichen.

Auch in diesem Jahr will sich der Organisator wieder Hunderte von Filmen ansehen, um eine Auswahl zu treffen - auf Festivals In Berlin und Hamburg, aber auch auf Video. "Letztes Mal habe Ich erst im Mai angefangen, diesmal ist genügend Zeit für eine Deutschland-weite Ausschreibung", sagt Wiesel, der in diesem Jahr das Hamburger Kinderfilm-Festival mitorganisiert hat. "Vormittags laufen in diesem Jahr auch in Flensburg Kinderfilme", verspricht der 24-Jährige, der an der Hamburger Kunsthochschule "Visuelle Kommunikation" studiert. Zeichentrick-, Puppen- und Spielfilme sollen dabei den Cineasten-Nachwuchs ansprechen. "In Hamburg sind die Vorstellungen für Kinder rappelvoll. Ich hoffe, dass das auch in Flensburg so sein wird." Als großer Renner habe sich die Idee erwiesen, dass Kinder während des Hamburger Festivals selber filmen können. Ob sich das auch in Flensburg verwirklichen lasse, wisse er allerdings noch nicht. "Das hängt auch davon ab, wie viele nachher mitziehen."

Im Hauptteil geht es aber wieder um aktuelle Filme aus Deutschland, die in diesem Jahr im Palast-Kino unter dem Titel "Frischfleisch" zu sehen sind. "Im Block mit den experimentellen Produktionen laufen in diesem Jahr nur Filme, die stark mit Musik arbeiten", sagt Wiesel. "Auch hier ist mir eine Vielfältigkeit wichtig, da es gerade im Kurzfilmbereich eine große Bandbreite gibt." In dem Block "Alte Schinken" werde dann alles abgespult, "was Rang und Namen hat". Darunter einige Oscar-prämierte Streifen. "Ich möchte mich aber auch um Kurzfilme von Stanley Kubrick und Alfred Hitchcock bemühen. Es ist interessant zu sehen, wie später bekannte Regisseure angefangen haben."

Um das Flensburger Festival für Filmemacher attraktiver zu machen, sei geplant, dieses Mal dotierte Preise zu vergeben. "Eine Möglichkeit wäre beispielsweise ein Publikumspreis sowie Jurypreise für Drehbuch, Regie und den besten Darsteller."

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Flensburger Kurzfilmtage 2010