Presseartikel 2000
"Zwei Tage mit 69 kurzen Filmen"
Flensburger Tageblatt | 07.09.2000 / om
"Von einer guten idee bis zu ganzen Weltanschauungen, Witz, Poesie, Dramatik: Das alles können Filmemacher spontaner und freier in Kurzfilmen umsetzen." Davon ist Karsten Wiesel von der Kunstwerkstatt Rote Laterne überzeugt. Den Beweis dafür will er von Freitag bis Sonntag, 8. bis 10. September, antreten: Dann finden im "Kino 51 Stufen" im Deutschen Haus die 1. Flensburger Kurzfilmtage statt.
Bei der Auswahl der 69 Streifen die von Oscar-prämierten Klassikern bis zu experimentellen Produktionen aus diesem Jahr reichen, hat es sich Wiesel nicht leicht gemacht. Über 300 Filme hat er sich allein in diesem Jahr angesehen - auf Festivals in Berlin, Oberhausen und Hamburg aber auch auf Video. "Ich war überrascht wie leicht man dem an die Filme zum Vorführen kommt, wenn man erst die Auswahl getroffen hat", erzählte der Organisator von seinen Erfahrungen.
Du Programm der Flensburger Kurzfilmtage besteht aus sechs Blöcken mit einer Länge von jeweils rund 100 Minuten. "Der erste Block "Brot und Spiele" hinterlässt ein beklemmendes Gefühl." Wiesel hat eine Reihe von ernsten, zum Teil Teil preisgekrönten Streifen an den Anfang gesetzt. Dazu gehört "Zu", in dem sich ein Maurer in seiner Wohnung selbst einmauert. Oder "Hingerichtet", in dem ein Henker sein eigenes Opfer wird.
Der zweite Block kommt unbeschwerter daher, etwa mit "Lazy, Sunday Afternoon", ein "brilliant gemachter Zeichentrickfilm einer Wildwest-Schießerei", so Karsten Wiesel.
Der "Independent"-Block reicht dann von wackligen Videos bis zu professionellen 35-Millimeter-Filmen, darunter der "R-Mann", der eine Revolution plant und sich dann unterm Küchentisch vertseckt, als es tatsächlich losgeht. Oder "American Showdown 6": Drei schräge Typen wollen eine Tasche. Dafür jagen und beschießen sie sich in rasanter Action-Manier quer durch Berlin. In "Frischfleisch 2" ist unter anderem der gebürtige Flensburger Christian Theede vertreten. In "Alte Schinken" sind eine Reihe von Oscar-Filmen dabei, bevor im sechsten Block "Ganz oben ganz offen" Filme aus der Region zu sehen sind."
Wunderschön etwa "Der Vogelforscher", die Liebesgeschichte zwischen einem friesischen Einzelgänger und einer Frisörin mitten im Wattenmeer. Pro Block sind bis zu 14 Filme zu sehen, der längste dauert gerade 27 Minuten.
Morgen gibt es nach dem Filmprogramm eine Party im ,Kaffeehaus" in der Amgelburger Straße, zu der alle Filmemacher, Schauspieler und Filminteressierte eingeladen sind. "Ich hoffe auf viele Kontakte zwischen Akteuren und dem Publikum. Die Beteiligten sind eben nicht so weit voneinander entfernt wie in Hollywood, man kann mit den Leuten reden."
In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule finden am 9. und 10. September zwei Gesprächsrunden (jeweils um 15 Uhr) zum Thema Film und Kino statt (Moderation: Peter Stockhaus, Hamburger Produzent und Bernd Günther Nahm, Filmwerkstatt Schleswig-Holstein).
Bei der Abschlußveranstaltung am 10. September in der Walzenmühle erhalten Filmemacher Preise, deren Filme beim Publikum besonders gut angekommen sind", so Wiesel. Von der Resonanz des Publikums hänge es auch ab, ob die Kurzfilmtage wiederholt werden.




